Ralph Heidel // Homo Ludens – Moments of Resonance [ALBUM PROMO] (deutsch)

 

 

Seit ein paar Jahren arbeiten immer mehr Musiker an der Fusion von „ernster Musik“, symphonischen Elementen und Electronica.
Wie bei allen neuen künstlerischen Entwicklungen ist auch bei dieser Thematik erst nach einiger Zeit eine feinere Differenzierung möglich. Das Genre ist zu neu. Erst seit kurzem kann man von verschiedenen Strömungen reden, obwohl es noch keinen Namen für diese Musikexperimente gibt. Gegen das Wort Neo-Klassik wehren sich viele. Auch Wortakrobatien wie Chambertronica, Jazztronica oder Neo-Symphonik werden vielen Künstlern nicht gerecht.

Vergessen wir also den Namen. Es ist aber interessant, dass es vor allem in Deutschland eine neue Generation von Künstlern gibt, die diese Stilverschmelzungen auf neue Weise angehen. Das, was Nils Frahm, Olafur Arnalds, Max Richter vorgelegt haben wird von diesem Nachwuchs nicht nachgeahmt, sondern neu gedacht. Mit einem enormen Wissen um Musikgeschichte, Ausbildungen an internationalen Hochschulen, virtuosem Beherrschen „klassischer“ Instrumente und der Fähigkeit auf hohem Niveau zu improvisieren. 

Ralph Heidel ist einer von diesen Neuen. 
Der 25jährige Münchner hat Saxophon und Komposition an der Musikhochschule München studiert. Die beste in Deutschland. Er hat sich nicht nur mit zeitgenössischer ernster Musik (Schnittke, Ives, Widman) beschäftigt, sondern auch mit dem was im Electronica Bereich der letzten 25 Jahre passiert ist. Seine Liebe gehört Boards of Canada, Jan Jelinek, Four Tet, Alva Noto.
Dazu kommt der experimentelle Jazz. Seine Leidenschaft. Inspiriert vom Vater, einem Musiker.

In Ralph Heidels eigener Musik kommt das alles zusammen.

„Moments of Resonance“ sind 7 Kompositionen voller kleiner Zitate, großer Überraschungen, funkelnder Ideen, minimalistischer Momente, explosiver Details, dramatischer Spannungsbögen, mit unerwarteten Dynamiken und meditativen Momenten, die in euphorischen Höhepunkten enden.
Ein emotionales Werk für Streicher, Saxophon, Drums, Bass und Elektronik. 

Heidel und sein siebenköpfiges Ensemble Homo Ludens verbinden auf neue, meisterhafte Weise zeitgenössische Kammermusik mit Electronica, Postrock und Jazz. Alles ist komponiert und improvisiert, nichts ist gesampelt.
Wilde Punk-Jazz Teile, die an John Zorn oder Art Ensemble of Chicago erinnern, münden in romantischen Passagen, inspiriert bei Ravel und Debussy, die dann durch neuartige Harmonik und Melodik gebrochen werden. Dann wieder schwebt die Band durch Ambient und Dronewelten, verschmelzen Elektronik und Organik in selten gehörte klangliche Universen.

Auf Ralph Heidels Debut Album wird man auch nach dem hundertsten Hören noch neue Details entdecken. Egal ob man das Werk beim Autofahren, als Filmersatz oder beim Liebe machen hört: Es wird Emotionen stimulieren. Glücksgefühle, Irritation und Begeisterung erzeugen.

Heidel ist Teil dieser neuen Musikergeneration, die in drei Welten verhaftet sind: Der zeitgenössischen Klassik, dem progressiven Jazz und der aktuellen Electronica. Hochvirtuos und multipel gebildet. Die Musik ist in ihrer radikalen Stilvermischung hochmodern und „edgy“. Mehr als Zeitgenossenschaft wird hier die Zukunft zelebriert.

Und ja: Es ist schwer diese Musik einzuordnen. „Moments of Resonance“ ist kaum vergleichen mit vielem, was unter dem Begriff Neoklassik veröffentlicht wird. Denn während es dort oft darum geht aus einem kleinen Loop einen langen Klangteppich zu entwickeln, bei dem nichts „stört“ oder einem banalen Technostück ein paar Alibi Streicher hinzugefügt werden, geht es bei Heidel um viel mehr!
‘Moments of Resonance“ ist einzigartig, auf allerhöchsten musikalischem Niveau und wird hoffentlich viele andere Künstler inspirieren.

 

 

Die acht Stücke:

Sweet Dark Moves
Lange Drone Sounds ziehen sich durch dieses Werk, das in seinen Weiten und Flächen an Ambient und Postrock denken lässt. Es geht auch hier um die Verschmelzung von menschlichen und maschinellen Strukturen. Ein Grundmotiv von Ralph Heidels Musik. Stilmittel: Ein Geigen Arpeggio paart sich mit einem Synthesizer Arpeggio. Epische Streicher schweben über einem halb elektronisch, halb live gespielten Drumbeat, der gleichzeitig ternär UND binär ist. 

The Flood
Die Flut. Eines der farbreichsten und epischsten Stücke des Albums. Ein hoffnungsvolles Werk über das Großthema „Planet Erde“ und dessen Verschmutzung. Es beginnt mit „Müll – Geräuschen“. Es folgen: Harmoniebewegungen, Rhythmusfetzen steigern sich in den großen Mittelteil in dem dann maschinelle Bass/Drums – Rhythmen mit subtilen Harmonien und Streicherpatterns kontrastieren . Beim großartigen Finale des Stückes kommen Anfangsthema, großer Mittelteil und Saxophonsolo zusammen.

Pictures (feat. Josin):
Hier kooperiert Heidel mit der deutsch-koreanischen Newcomerin Josin. Josin hat ein paar EPs veröffentlicht, die vor allem in England gefeiert wurde. (Ihr Debut Album erscheint im Febuar 2019). Zusammen schaffen die beiden einen Vibe, der irgendwo zwischen James Black, Radiohead und zeitgenössischer klassischer Musik schwebt. Elektronischer als die anderen Albumsongs, aber in seiner endorphingeladenen Dynamik, den filigranen Streichern und den Livedrums eine unbeschreibliche Atmosphäre generieren.

Kadiköy Shimmer
Ein Stück voller wilder Gegensätze und Stimmungsschwankungen. Das Anfangsthema wird in drei Stilen uminterpretiert. Ein Arpeggiator virtuos vom Saxophon gedoppelt. Ein impressionistischer Zwischenteil, bei dem sich Saxophon und Streichern die Bälle zuspielen, löst sich in einem rockigem Part auf. Basierend auf einem 5/4 Rhythmus. Improvisation bis zur Ekstase, Gänsehaut, Irritation, bis der finale Schlussteil beginnt, in dem das Anfangsthema von einem zarten Saxophon und Streicherharmonien verarbeitet wird. 

Our Kingdom
Our Kinddom geht auch einen eigenen Weg. Eine warme, nostalgische, stilistisch sehr freie, fast improvisierte Struktur. man könnte es Ambient nennen, mit einem harmonisierten Saxophon (erinnert ein wenig an Bon Iver), den sehr prägnanten harmonisierten Vocals, und frei gespielten Streichern und Drums. Für viele DER outstanding Track des Albums.

Während die Feigen
Beim Hören des Albums, wird man bemerken, dass Heidel gerne anfangs Themen vorstellt, die er dann komplex verarbeitet, in anderem Gewand aufleben oder übereinander laufen lässt. Bei „Während die Feigen“ passiert dies auch. Das lange, filmische Streicherintro wird man z. B. in einem Zwischenteil wiederentdecken.
Ein zartes Stück, mit fein gearbeiteten elektronischen Einflüssen, Heidel-typischen Flächen, und einem prägnanten Pizzicato Teil. Vor allem das Streichquartett ist bei diesem Stück gefordert. Das Hauptthema wird am Ende mit verschiedenen Elementen verschachtelt und moduliert. Es erinnert an nordischen Jazz und Debussy. Wird aber durch post-rockigen Parts gebrochen.

Blurred Idiosyncrasy
Die Idee zum Stück kam aus Alfred Schnittkes Concerto Grosso No.1. Ein Werk des russisch-deutschen Komponisten (1934-1998) bei dem mit dem Kontrast von dissonanten Harmonien und barocken Klischees gespielt wird. Bei Blurred Idiosyncrasy versucht Heidel den Ansatz Schnittkes zu nehmen und eine eigene Interpretation mit noch mehr Stilvermischung zu machen. Mit Sounds, die an Jazzpunk (Knitting Factory Records) oder Dubstep erinnern, radikal dissonanten Harmonien und Improvisation.

Sublimation
Das reduzierteste Stück auf dem Album. Wenig Töne, wenig Harmonien, kaum Rhythmik. Hier geht es Heidel um einen Gefühlszustand, der direkt „aus dem Bauch“ beim Komponieren entstanden ist. Die stetig ansteigende Melodie der Geige wird von Glissandos und feinen Klaviertönen untermalt.
Der Elektronik Aspekt ist hier reduzierter. Beim langen Teil des Klavier-Violin Duos schwirrt ein Sequencer, der im weiteren Verlauf des Stückes „abzuheben“ scheint und sich am Ende unter dem Streichquartett in einen losgelösten Zustand bewegt. 

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